Postkarten aus der Mittelformatkamera

Um schöne kleine Postkarten herzustellen, brauchst du kein Vergrösserungsgerät und auch nicht unbedingt eine Dunkelkammer! Wie soll das den gehen? Hier zeigen wir es dir:

Pandemie Stilleben aus dem Wohnzimmer

Einführung

Wenn man normales Fotopapier belichtet, reagiert es gleich, wie ein Negativfilm: Wo Licht drauf kommt, wird es schwarz, wo kein Licht draufkommt, bleibt es weiss - es entsteht ein Negativbild. Es gibt jedoch noch eine weitere Papiervariante, welche genau umgekehrt funktioniert - sogenanntes Positivpapier! Dieses Papier machen wir uns hier zunutze und belichten es in einer Mittelformatkamera. Dabei können kleine feine Postkärtchen als Unikate hergestellt werden.

Angeboten wird das Papier in den Grössen, welche eigentlich für den Gebrauch in Grossformatkameras gedacht sind: 4x5, 5x7 oder 8x10 Inch. Damit uns eine Belichtung in der Mittelformatkamera gelingt, brauchen wir etwas Zubehör:


Materialliste

  • Mittelformatkamera (geht mit allen möglichen Kameras, sogar eine Holga funktioniert perfekt)

  • Stativ und Drahtauslöser

  • Positivpapier (am besten 4x5 Inch)

  • Schere

  • etwas Graukarton

  • Dunkelkammer oder Wechselsack

  • Entwicklungsschalen oder Entwicklungstank für 2 Spulen

  • Belichtungsmesser

  • Schwarzweiss Papierchemie


Wahl des Papiers

Es gibt momentan zwei erhältliche Varianten des Positivpapiers:

  • Imago Positive Paper: hochglänzendes, weisses RC Papier. Diese ist etwas sensibel auf Rotlicht und braucht frischen Entwickler, damit es schön schwarz wird.

  • Harman Positive Paper: glänzendes, wärmeres Barytpapier. Etwas unproblematischer mit Rolicht und toleranter in der Entwicklung.


Vorbereitung Papier

Die Masse des 4x5 Inch Papier sind 10.2 x 12.7 cm. Schneidet man das Papier genau in der Mitte durch (12.7cm / 2) erhält man zwei kleine Papierstücke, welche praktischerweise genau die Höhe eines Mittelformatfilms besitzen. Je nach Kamera kann man diese dann noch in die gewünschte Länge trimmen. Diesen Arbeitsschritt macht man am besten in der Dunkelkammer bei schwachem Rotlich oder im Wechselsack. Am einfachsten geht das, wenn man sich eine Schneidlehre aus Karton anfertigt.

Das Kartonstück hat die gewünschte Grösse für die Kamera (diesen Schritt natürlich nur im Rotlich durchführen!)

Vorbereitung Kamera

Das fertig zugeschnittene Papier kann dann in die Kamera eingelegt werden. Es gilt nur zu beachten, dass die richtige Seite nach vorne zeigt:

  • Imago Positivpapier Emulsionsseite: farblich pinke Seite, die sich klebriger, glatter anfühlt

  • Harman Positivpapier Emulsionsseite: farblich pinke Seite, die sich glatter anfühlt

Papier einlegen mit der richtigen Seite nach vorne (im Dunkeln oder Wecheslack)

Bei älteren Kameras nicht vergessen, das Loch abzudichten, welches die Bildnummer auf dem Rückpapier des Filmes anzeigt, denn das Papier ist von hinten nicht Lichtdicht.

Achtung: Unbedingt Loch Abkleben!

Die Belichtung

Das Papier hat eine Empfindlichkeit von ISO 3. Da es Papier ist, ist die Belichtungstoleranz sowie der Dynamikumpfang sehr klein (ca. 4 Blenden). Es lohnt sich also, das Papier genau zu belichten. Da man bei ISO 3 lange Belichtungszeiten hat, lohnt sich ein Stativ und ein Drahtauslöser.


Die meisten Belichtungsmesser gehen jedoch nicht bis ISO 3, hier darum die Tabelle, wie viele Blenden Licht dazu gegeben werden müssen:


ISO 100 --> Gemessene Blende / Zeit

+ 1 Blende (ISO 50)

+ 1 Blende (ISO 25)

+ 1 Blende (ISO 12)

+ 1 Blende (ISO 6)

+ 1 Blende (ISO 3)


--> Wenn mit ISO 100 gemessen wird, müssen 5 Blenden dazu gegeben werden.


Wenn kein Belichtungsmesser zur Hand ist, kann auch mit einer anderen Kamera, welche eine Belichungsmessung besitzt, gemessen werden.


Vorbelichtung (optional für Experimentierfreudige oder präzise Tüftler)

Das Papier bildet mit äusserst harten Kontrasten ab, was nicht immer schön ist. Durch eine neutrale Vorbelichtung des Papiers kann der Kontrast etwas weicher und die ISO-Empfindlichkeit des Papiers etwas erhöht werden (auf ca. 6-12 ISO).


Diese Vorbelichtung präzise zu machen ist jedoch etwas anspruchsvoll. Aber auch eine nicht ganz perfekte Vorbelichtung kann das Papier etwas einfacher in der Handhabung machen. Wichtig ist dabei zu versuchen, konsistent zu arbeiten, also immer alles gleich zu machen. Es gibt zwei Varianten, die Vorbelichtung zu machen:


1. Experimentelle Variante:

Bei dieser Variante wird das Papier direkt in der Kamera vor der eigentlichen Aufnahme vorbelichtet. Dies erfolgt nach folgenden ersten Anhaltspunkten, nach welchen dann individuell optimiert werden kann:

  • Fokus auf „unscharf“ zum zu fotografierenden Objekt setzen

  • Linse mit einem Stück weissem Stoff, einem Milchglas oder einem Stück Backfolie abdecken, damit bei der Vorbelichtung weisses diffuses Licht in die Kamera fällt

  • Belichtung messen

  • Das Papier mit dieser Einstellung 3 Blenden (grobe erste Faustregel) unterbelichtet belichten, also ein Foto machen durch den Stoff oder Folie

  • danach alles normal einstellen und Foto mit korrekter Belichtung machen

--> wird das Bild zu hell: Die Vorbelichtung noch mehr unterbelichten oder die ISO des eigentlichen Fotos erhöhen (auf ISO 6 oder ISO 12)

--> Hat das Foto Schatten oder Strukturen darauf: Evtl. für die Vorbelichtung nicht auf unscharf gesetzt, Stoff oder Folie hat zu grobe Struktur


2. Präzise Variante:

Eine erfolgreiche Vorbelichtung bewirkt, dass das Papier genau soviel Licht im Voraus bekommt, dass es gerade noch nicht anfängt eine sichtbare Belichtung zu zeigen. Dies testet man am besten mit einem Vergrösserer indem man einen Teststreifen macht von ganz weiss, bis ganz schwarz (Vergrösserer auf unscharf einstellen und Filter entfernen). Da es sich um Positivpapier handelt, ist die korrekte Zeit für die Vorbelichtung diejenige auf dem Streifen, wo das schwarz gerade anfängt erste Graustufen zu zeigen (also umgekehrt als wenn man normales Fotopapier vorbelichtet).

Teststreifen (Foto: Harman)

Nun kann das Papier mit dieser Zeit vorbelichtet werden. Die kann vor aber auch nach der eigentlichen Aufnahme gemacht werden.

Die alte Boxkamera eignet sich perfekt!

Entwicklung Papier

Das Papier entwickelt sich am besten in frischem, etwas weniger verdünnten Entwickler (z.B. Ilford Multigrade 2+8 anstelle 1+9). Die Entwicklungszeit empfiehlt sich etwas länger zu machen wie normales Papier, ca. 2-3 Minuten. Die Entwicklung kann man gut in der Dunkelkammer in einer Schale bei schwachem Rotlich, oder in einer Filmentwicklungsdose machen. Einfach das Papier im Wechselsack in die Dose einlegen (ohne Spulen, aber Mittelsäule nicht vergessen!) und dann darin entwickeln.


Im Dunkeln oder Rotlich in die Dose einlegen.

Stop und Fix ist dann genau gleich, wie bei normalem Fotopapier. Das Harman Positive Papier muss etwas länger gewaschen werden, da es Barytpapier ist. Legt man es nach dem Trocknen für ein paar Tage unter ein schweres Buch, wird es auch schön flach. Das Imago Positivpapier trocknen schneller und komplett flach.

Beispiele:

V.l.n.r: Graflex 6x9, Rolleiflex T, Holga (Gitarre), Graflex 6x9


Viel Spass beim Ausprobieren und Tüfteln - und wir freuen uns, eure Bilder zu bestaunen!


Weiterführende Links:

- Positivpapiere

- Papierentwickler

- Stoppbad

- Fixierbad

- Schalen

- Dose

- Wechselsack


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